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Stellungnahme von MIA Hessen zur Plenardebatte am 28.04.2026 im Hessischen Landtag

Antiziganistische Vorfälle aus den Jahren 2023 und 2024 in Hessen im Bereich Bildung

 

Kontext

Im Rahmen der Plenardebatte am 28.04.2026 teilte Herr Staatsminister Armin Schwarz (Ministerium für Kultus, Bildung und Chancen) mit, dass die „Planstelle gegen Antiziganismus“ einer abgeordneten Lehrkraft an der TU Darmstadt nicht weiter finanziert werde. In den weiteren Fragen ging es auch um antiziganistische Vorfälle im Schulkontext. Offensichtlich sieht Herr Staatsminister Schwarz kein Problem mit antiziganistischen Vorfällen in Hessischen Schulen: Dem Kultusministerium sei 2024 kein antiziganistischer Vorfall und 2025 lediglich ein antiziganistischer Vorfall bekannt geworden. Da wir allein für das Jahr 2024 als Melde- und Informationsstelle Antiziganismus Hessen (MIA Hessen) 25 antiziganistische Vorfälle im Bereich Bildung aufgenommen haben, wollen wir zu den Aussagen Stellung beziehen.

 

Die Arbeit von MIA Hessen

MIA Hessen wurde im Juli 2023 gegründet und ist Teil der Bundesarbeitsgemeinschaft MIA. MIA Hessen wird von zwei Organisationen getragen: dem Verband Deutscher Sinti und Roma – Landesverband Hessen und dem Förderverein Roma e.V. Wir dokumentieren antiziganistische Vorfälle in Hessen und werten diese nach wissenschaftlichen Kriterien aus. Dieses Monitoring schließt alle antiziganistischen Vorfälle ein sowohl ober- als auch unterhalb der Strafbarkeitsgrenze. Die Vorfälle können von Betroffenen und/oder Zeug*innen an uns gemeldet werden. Wir bieten eine Erstberatung an und verweisen die Betroffenen bei weiterem Beratungs- und Unterstützungsbedarf an die Beratungsstellen unserer Kooperationspartner*innen und unserer Trägerorganisationen.

 

Antiziganistische Vorfälle aus allen Bereichen in den Jahren 2023 und 2024

Im zweiten Jahr unseres Bestehens haben wir insgesamt 159 Vorfälle dokumentiert. Das ist im Vergleich zu 2023, mit 113 aufgenommenen Vorfälle eine Zunahme von etwa 40%, eine Entwicklung, die wir auch auf den gestiegenen Bekanntheitsgrad der Meldestelle zurückführen. Dennoch gehen wir von einer hohen Anzahl nicht gemeldeter Vorfälle, also von einem hohen Dunkelfeld, aus.

 

Die Fallzahlen im Lebensbereich Bildung

Im Jahr 2023 haben wir mit 27 Vorfällen verglichen mit anderen dokumentierten Lebensbereichen die meisten Vorfälle im Bereich Bildung erfasst, im Jahr 2024 stellte der Bereich Bildung mit 25 Vorfällen den zweithäufigsten Bereich dar.

Wir nutzen in unserer Auswertung die Begriffe „Lebensbereich/Kontext“ um, die unterschiedlichen Bereiche zu beschreiben, innerhalb derer Antiziganismus stattfindet. Diese Kategorie ist eine Zusammenfassung von zwei detaillierteren Kategorien in unserer Datenbank: Vorfallort (wo findet ein Vorfall satt) und Sozialraum (in welchem Kontext findet ein Vorfall statt). Der Vorfallort und der Sozialraum sind in vielen Fällen identisch. Beispielsweise wenn sich antiziganistisches Mobbing von Mitschüler*innen in der Schule auch auf den Schulweg oder die Freizeit des*der Betroffenen ausweitet, wäre der Vorfallort der öffentliche Raum, der Sozialraum jedoch der Schulkontext. Damit unsere Auswertung nicht zu detailliert und weiterhin verständlich bleibt, fassen wir die beiden Kategorien für unsere Jahresberichte zu der Kategorie „Lebensbereich/ Kontext“ zusammen. Dadurch können wir alle Vorfälle benennen, die den Bereich Bildung (oder auch andere Kontexte) betreffen.

 

Antiziganistische Meldungen aus dem Bereich Schule

Von den 27 antiziganistischen Vorfällen im Bereich Bildung im Jahr 2023 fielen 21 Vorfälle in den Bereich Schule. 2024 fielen 23 der 25 Vorfälle in den Bereich Schule, 2 der 25 Vorfälle fanden in einer Universität statt. Damit wurden uns in beiden Jahren im Lebensbereich Bildung die meisten Vorfälle aus dem Schulkontext gemeldet. Für das Jahr 2025 steht die Auswertung noch aus und wird am 29.10.2026 veröffentlicht.

 

Analyse der antiziganistischen Vorfälle im Bereich Schule im Jahr 2024

In der genaueren Analyse beziehen wir uns im Folgenden auf die Daten aus dem Jahr 2024. Von den 25 Vorfällen handelten 14 Personen in offizieller Rolle und in 2 Fällen als Institution (also Lehrpersonal oder die Institution Schule). In 9 Fällen sind es Einzelpersonen, darunter häufig Mitschüler*innen. Wir haben jedoch nur wenige Vorfälle aufgenommen, an denen lediglich Schüler*innen beteiligt sind. Lehrer*innen sind einerseits oft selbst die Diskriminierungsverantwortlichen oder sie schreiten bei Konflikten zwischen Schüler*innen gar nicht oder nicht angemessen ein. Damit dulden sie antiziganistisch begründetes Mobbing, leugnen den antiziganistischen Gehalt und/oder erkennen ihn nicht als solchen.

Da die meisten Vorfälle in einer Schule stattfinden, sind viele der Betroffenen unter 18 Jahre alt. In den Fällen von über 18-jährigen Betroffenen handelt es sich oft um Eltern, die ihre Kinder bei antiziganistisch begründeten Konflikten in der Schule unterstützen, sich für die Gleichbehandlung ihrer Kinder einsetzen und dann selbst antiziganistisch adressiert werden.

 

Die Zahlen von 25 antiziganistischen Vorfällen im Bildungsbereich und 23 antiziganistischen Fällen in Schulen im Jahr 2024 ist erschreckend hoch. Die Veröffentlichung der Ergebnisse für das Jahr 2025 steht zwar nach aus, wir können aber schon jetzt sagen, dass uns wieder viele antiziganistische Vorfälle aus hessischen Schulen gemeldet wurden. Angesichts der 23 dokumentierten antiziganistischen Vorfällen an hessischen Schulen sind wir sehr überrascht, dass dem hessischen Kultusministerium kein Vorfall bekannt geworden ist.

 

Für einen weiteren Austausch stehen wir gerne zur Verfügung.

 

Kontakt:

 

Leonie Zander

Telefon: 0179-7347787

E-Mail: Mia-hessen@mia-bund.de

Katja von Auer

0163-6971067

E-Mail: Mia-hessen@mia-bund.de